TIN*, FLINTA*, cis, Ally: Begriffe einfach erklärt
TIN*, FLINTA*, cis, a*spec, Deadname: Wer neu in der Community ist, versteht erst mal nur Bahnhof. Hier sind die Begriffe, die dir am häufigsten begegnen, in normaler Sprache erklärt.
Von Queer Guide Redaktion5 Min. Lesezeit

Du liest eine Einladung zu einem „FLINTA*-Abend“, im Gruppenchat schreibt jemand „bin übrigens a*spec“, und auf dem Flyer steht „TIN* only“. Wenn du da kurz aussteigst: völlig normal. Niemand kommt mit diesem Vokabular auf die Welt, und auch Leute, die seit Jahren in der Community unterwegs sind, schlagen ab und zu etwas nach.
Hier findest du die Begriffe, die dir bei Angeboten und in Gesprächen am häufigsten begegnen. Sieh sie als Orientierung und nicht als Regelwerk. Am Ende entscheidet jeder Mensch selbst, welche Worte passen. Und Sprache verändert sich: Was heute üblich ist, klang vor zehn Jahren noch anders.
Die großen Sammelbegriffe
Queer ist das Wort, unter dem sich die meisten wiederfinden: alle, die nicht heterosexuell oder nicht cis sind, und alle, die sich mit dem Wort wohlfühlen. Früher war es ein Schimpfwort, seit den 1990er Jahren hat die Bewegung es sich zurückgeholt. Manche Ältere mögen es deshalb bis heute nicht, das darf auch so sein. Mehr dazu bei der Queer-Flagge.
LSBTIQ* steht für lesbisch, schwul, bisexuell, trans*, inter* und queer. Das Sternchen hält die Tür für alle weiteren Identitäten offen. LGBTQIA+ ist die englische Variante und meint im Kern dasselbe, das A steht dort für asexuell, aromantisch und agender. Welche Buchstabenfolge jemand benutzt, ist meistens Gewohnheit und selten eine politische Aussage.
Geschlecht: cis, trans*, inter*, nicht-binär
Cis bist du, wenn dein Geschlecht zu dem passt, das bei deiner Geburt eingetragen wurde. Trans* bist du, wenn das nicht oder nicht ganz so ist. Cis ist keine Beleidigung und keine Wertung, sondern einfach das Gegenstück, so wie „hetero“ das Gegenstück zu „homo“ ist.
Inter* Menschen haben körperliche Merkmale, etwa Chromosomen, Hormone oder Genitalien, die nicht in die medizinische Schublade „eindeutig männlich“ oder „eindeutig weiblich“ passen. Das hat erst mal nichts mit der Identität zu tun: Inter* Menschen können Frauen, Männer oder nicht-binär sein.
Nicht-binär heißt, sich nicht ausschließlich als Mann oder als Frau zu verstehen. Dazu haben wir einen eigenen Beitrag: Was ist eigentlich nicht-binär? Agender Menschen haben kein Geschlecht oder können mit dem Konzept für sich nichts anfangen, genderfluide Menschen erleben, dass sich ihr Geschlecht mit der Zeit verändert.
TIN* und FLINTA*
TIN* fasst trans*, inter* und nicht-binäre Menschen zusammen. Du siehst die Abkürzung oft bei Gruppen und Beratungen, die sich speziell um Fragen rund um Geschlecht kümmern. Passende Angebote findest du in der Kategorie TIN*, die Flaggen dazu im Lexikon: Transgender-Flagge, Inter*-Flagge und Nichtbinär-Flagge.
FLINTA* steht für Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen. Gemeint sind alle, die im Alltag und auch in der Szene von Sexismus betroffen sind. Ein FLINTA*-Abend ist also ein Raum ohne cis Männer. Weil die Abkürzung so viel bündelt, lohnt sich ein Blick in die Beschreibung: Manche Veranstaltungen meinen damit alle genannten Gruppen, andere haben einen engeren Schwerpunkt. Wenn du unsicher bist, ob du gemeint bist, frag einfach nach. Das ist keine peinliche Frage, sondern genau die richtige. Angebote findest du unter FLINTA*.
Orientierung: wen du magst und wie
Lesbisch und schwul kennst du. Bisexuell heißt, sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen zu fühlen, pansexuell betont, dass das Geschlecht dabei keine Rolle spielt. Die Grenze zwischen beiden ist fließend, viele benutzen das Wort, das sich für sie besser anfühlt.
A*spec ist die Kurzform für das asexuelle und aromantische Spektrum. Asexuelle Menschen empfinden wenig oder keine sexuelle Anziehung, aromantische wenig oder keine romantische. Dazwischen gibt es viele Abstufungen, zum Beispiel demisexuell: Anziehung entsteht erst, wenn eine enge Bindung da ist. A*spec zu sein heißt nicht, keine Beziehungen zu wollen oder niemanden zu lieben. Angebote findest du unter A*spec.
Questioning sagen Menschen, die gerade herausfinden, was zu ihnen passt. Das ist kein Zwischenzustand, den du schnell hinter dich bringen musst. Manche bleiben lange dabei, manche für immer.
Wörter aus dem Alltag
- Coming-out: anderen von der eigenen Orientierung oder Identität erzählen. Kein Muss und keine einmalige Sache, mehr dazu in unseren Tipps zum Coming-out.
- Outing: wenn jemand anderes das ohne Erlaubnis für dich übernimmt. Das ist ein Vertrauensbruch und kann Menschen in Gefahr bringen.
- Deadname: der abgelegte Vorname einer trans oder nicht-binären Person. Ihn weiter zu benutzen heißt Deadnaming und tut weh.
- Misgendern: jemanden mit dem falschen Pronomen oder der falschen Anrede ansprechen. Passiert es dir aus Versehen, reicht: kurz korrigieren, weitermachen.
- Pronomen: sie, er, dey, kein Pronomen. Wenn du es nicht weißt, frag oder benutze erst mal den Namen.
- Passing: von anderen als das Geschlecht gelesen werden, das du bist. Für manche wichtig, für andere egal, und kein Maßstab dafür, wie „echt“ jemand ist.
- Dysphorie: das Unbehagen, wenn Körper oder Behandlung durch andere nicht zum eigenen Geschlecht passen. Das Gegenstück heißt Euphorie und ist genauso real.
- Ally: jemand, der selbst nicht queer ist, aber verlässlich an der Seite queerer Menschen steht. Zuhören, dazulernen, widersprechen, wenn es drauf ankommt. Siehe Ally-Flagge.
Wörter aus der Szene
- Safer Space: ein Raum, in dem bestimmte Gruppen unter sich sind und sich weniger erklären müssen. „Safer“ und nicht „safe“, weil kein Raum völlig sicher ist.
- Awareness-Team: Leute auf Partys und CSDs, die ansprechbar sind, wenn dir etwas unangenehm wird.
- Wahlfamilie: die Menschen, die du dir als Familie ausgesucht hast. Für viele Queers mindestens so wichtig wie die Herkunftsfamilie.
- Regenbogenfamilie: eine Familie, in der mindestens ein Elternteil queer ist. Angebote dazu unter Regenbogenfamilien.
- Pinkwashing: wenn sich Firmen oder Staaten mit Regenbogenfarben schmücken, ohne etwas für queere Menschen zu tun.
Und wenn du ein Wort falsch benutzt?
Dann passiert meistens: nichts Schlimmes. Die allermeisten Menschen merken, ob jemand es gut meint. Wichtig ist, dass du zuhörst, wenn dich jemand korrigiert, und es beim nächsten Mal anders machst. Lange Entschuldigungen braucht es nicht, sie machen die Situation eher größer.
Fehlt dir ein Begriff? Im Flaggen-Lexikon erklären wir viele weitere Identitäten samt ihrer Flaggen. Und wenn du die Wörter lieber im echten Leben lernst: In Treffs und Jugendgruppen erklärt dir garantiert jemand, was gemeint ist.
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