Schnelle Hilfe in der Krise: Nummern und Chats, die rund um die Uhr erreichbar sind
Wenn gerade nichts mehr geht: Diese Nummern und Chats sind kostenlos, viele anonym und rund um die Uhr erreichbar. Dazu, was dich beim Anruf erwartet und was du für andere tun kannst.
Von Queer Guide Redaktion5 Min. Lesezeit

Wenn du diese Seite gerade liest, weil es dir schlecht geht: Gut, dass du hier bist. Du musst jetzt nicht alles lesen. Die wichtigsten Nummern stehen gleich als Erstes, und am Handy kannst du sie antippen, um direkt anzurufen.
In akuter Gefahr
Wenn dein Leben oder das eines anderen Menschen in Gefahr ist, ruf den Notruf 112 oder geh in die nächste Notaufnahme. Das gilt auch, wenn du Angst hast, dir in den nächsten Stunden etwas anzutun. Du nimmst damit niemandem etwas weg, dafür ist der Notruf da.
Jetzt mit jemandem reden
- TelefonSeelsorge: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Kostenlos, anonym, rund um die Uhr. Auch per Chat und Mail über die Website.
- krisenchat.de: für alle unter 25. Kostenlos und rund um die Uhr per WhatsApp, SMS oder im Browser. Du schreibst, es antwortet ein Mensch.
- Nummer gegen Kummer: Kinder- und Jugendtelefon 116 111, Elterntelefon 0800 111 0 550. Kostenlos und anonym, die Sprechzeiten stehen auf der Website.
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117, wenn du nachts oder am Wochenende ärztliche Hilfe brauchst und es kein Fall für den Notruf ist.
Was passiert, wenn ich da anrufe?
Viele rufen nicht an, weil sie nicht wissen, was sie sagen sollen, oder weil sie denken, anderen gehe es schlimmer. Deshalb kurz, wie es abläuft.
Es meldet sich ein Mensch, der dafür ausgebildet ist zuzuhören. Du musst deinen Namen nicht sagen. Du musst keinen fertigen Satz haben. „Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll“ ist ein guter Anfang. Niemand schickt dir die Polizei, weil du über dunkle Gedanken sprichst. Du kannst jederzeit auflegen.
Manchmal ist besetzt oder du hängst kurz in der Warteschleife. Das liegt nicht an dir. Probier es noch einmal, nimm die zweite Nummer oder schreib parallel im Chat. Und wenn dir Telefonieren schwerfällt, ist Schreiben genauso viel wert.
Dein Problem muss nicht „schlimm genug“ sein. Die Leute dort reden lieber eine halbe Stunde zu früh mit dir als zu spät.
Von Queers für Queers
Queere Menschen stecken häufiger in psychischen Krisen als andere. Das liegt nicht am Queersein, sondern an dem, was viele von uns aushalten müssen: Ablehnung, Mobbing, Verstecken, Gewalt. Manchmal hilft es, mit jemandem zu sprechen, dem du das nicht erst erklären musst. Diese Angebote sind keine Notdienste, aber queer und überall in Deutschland erreichbar:
- Queersupport vom Jugendnetzwerk Lambda: Beratung von und für junge Queers unter 27, per Mail, Chat oder Video. Vertraulich, auch zu Coming-out, Familie und der Änderung von Vornamen und Geschlechtseintrag.
- Queer Lexikon: anonymer Kummerkasten für Fragen zu Orientierung, Geschlecht und allem drumherum, dazu moderierte Chats zu festen Zeiten.
Beratung vor Ort, auch speziell für trans, inter und nicht-binäre Menschen, findest du bei Queer Guide unter Beratungsstellen und TIN*. Viele bieten kurzfristige Termine an, wenn du sagst, dass es dringend ist.
Wenn du unter 25 bist
- [U25] Online-Suizidprävention: kostenlose, vertrauliche Mailberatung bei Krisen und Gedanken an Suizid. Es antworten geschulte junge Menschen in deinem Alter.
- krisenchat.de und die Nummer gegen Kummer stehen oben.
Wenn der Stress von zu Hause kommt, lies auch Wenn die Familie nicht mitgeht.
Nach Diskriminierung und Gewalt
- Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 116 016, kostenlos, anonym, rund um die Uhr, auch mit Dolmetschung
- Hilfetelefon Gewalt an Männern: 0800 123 99 00, montags bis donnerstags 8 bis 20 Uhr, freitags 8 bis 15 Uhr, dazu ein Chat zu festen Zeiten
- Opfer-Telefon des Weissen Rings: 116 006, täglich von 7 bis 22 Uhr, kostenlos und anonym, für alle Betroffenen von Straftaten
Die beiden Hilfetelefone schreiben auf ihren Websites nicht ausdrücklich, ob sie auch trans, inter und nicht-binäre Menschen beraten. Du kannst trotzdem anrufen und nachfragen. Fühlst du dich dort nicht richtig aufgehoben, sind queere Beratungsstellen oft die bessere Adresse. In vielen Bundesländern gibt es außerdem eigene Anlaufstellen für Betroffene queerfeindlicher Gewalt, die dich auch zur Polizei begleiten, wenn du Anzeige erstatten möchtest.
Wenn du dir Sorgen um jemand anderen machst
Du musst kein Profi sein, um zu helfen. Das Wichtigste ist oft das Einfachste:
- Frag direkt nach: „Denkst du daran, dir das Leben zu nehmen?“ Diese Frage bringt niemanden auf die Idee. Für die meisten ist sie eine Erleichterung.
- Hör zu, ohne sofort Lösungen zu liefern. „Das klingt wirklich schwer“ hilft mehr als „Das wird schon wieder“.
- Bleib da oder sorg dafür, dass die Person nicht allein ist, wenn es akut wirkt.
- Hol Hilfe dazu. Ihr könnt zusammen eine der Nummern oben anrufen. Bei akuter Gefahr: 112.
- Achte auf dich. Du darfst nach so einem Gespräch selbst bei der TelefonSeelsorge anrufen.
Für die nächsten Stunden
Wenn du gerade allein bist und die Nacht lang wirkt, hilft manchen eine kleine Liste. Sie löst nichts, aber sie bringt dich bis morgen:
- Schreib einer Person: „Mir geht es nicht gut, kannst du kurz mit mir schreiben?“
- Geh dorthin, wo andere Menschen sind, und sei es der Bahnhof oder der Spätkauf.
- Räum weg, womit du dir schaden könntest, oder gib es jemandem.
- Trink etwas, iss etwas, auch wenn dir nicht danach ist.
- Verschieb Entscheidungen auf den Tag. Nachts sieht fast alles schlimmer aus, als es ist.
Wenn die akute Krise vorbei ist
Krisentelefone fangen dich auf, ersetzen aber keine längere Begleitung. Für einen Therapieplatz brauchst du keine Überweisung. Über die Terminservicestelle unter 116 117 bekommst du einen Termin für eine erste psychotherapeutische Sprechstunde. Die Wartezeit auf einen festen Platz ist oft lang. Frag deshalb in queeren Beratungsstellen nach, die überbrücken können und Therapeut*innen kennen, bei denen du nicht erst erklären musst, was nicht-binär bedeutet.
Regelmäßige Gespräche und Gruppen findest du bei Queer Guide unter Beratungsstellen und Selbsthilfe, für Jüngere unter Jugendgruppen. Manchmal ist ein Ort, an dem du einfach du sein kannst, schon die halbe Miete.
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