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Queer Guide

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Ratgeber

Gleichgeschlechtliche Ehe in Deutschland: Rechte, Ablauf und Adoption

Seit 2017 dürfen alle Paare heiraten. Wie die Anmeldung läuft, was mit dem Namen und alten Lebenspartnerschaften passiert und warum zwei Mütter ihr eigenes Kind immer noch adoptieren müssen.

Von Queer Guide Redaktion6 Min. Lesezeit

Am 30. Juni 2017 stimmte der Bundestag nach jahrelangem Streit in einer einzigen Vormittagssitzung ab: 393 Abgeordnete waren dafür, 226 dagegen. Seit dem 1. Oktober 2017 können in Deutschland zwei Menschen heiraten, egal welchen Geschlechts. Im Gesetz steht seitdem schlicht: Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.

Inzwischen ist das für viele Alltag. Ein paar Unterschiede gibt es aber bis heute, vor allem wenn Kinder dazukommen.

Ehe und Lebenspartnerschaft

Von 2001 bis 2017 gab es für gleichgeschlechtliche Paare nur die eingetragene Lebenspartnerschaft. Sie hatte am Anfang fast alle Pflichten der Ehe und nur wenige ihrer Rechte. Vieles, vom Steuerrecht bis zur Hinterbliebenenrente, musste einzeln vor Gericht erstritten werden.

Neue Lebenspartnerschaften kann man seit 2017 nicht mehr eingehen. Bestehende gelten weiter. Wenn ihr wollt, könnt ihr sie beim Standesamt in eine Ehe umwandeln. Dafür geht ihr beide persönlich hin, und die Ehe gilt dann rückwirkend ab dem Tag eurer Verpartnerung.

Die Anmeldung beim Standesamt

Das läuft wie bei allen Paaren. Ihr meldet die Eheschließung beim Standesamt an eurem Wohnort an, frühestens sechs Monate vor dem Wunschtermin. Heiraten könnt ihr danach in jedem Standesamt in Deutschland. In der Regel braucht ihr:

  • gültigen Personalausweis oder Reisepass
  • eine aktuelle beglaubigte Abschrift aus dem Geburtenregister (bekommst du beim Standesamt deines Geburtsorts)
  • eine erweiterte Meldebescheinigung, wenn ihr nicht dort heiratet, wo ihr gemeldet seid
  • bei früheren Ehen oder Lebenspartnerschaften die Nachweise über deren Ende

Das Standesamt sagt euch genau, was in eurem Fall nötig ist. Fragt früh nach, vor allem wenn eine*r von euch im Ausland geboren ist.

Wenn eine*r von euch keinen deutschen Pass hat

Normalerweise verlangt das Standesamt von Menschen aus dem Ausland ein Ehefähigkeitszeugnis ihres Heimatlands. Viele Länder stellen das für gleichgeschlechtliche Ehen nicht aus. Für diesen Fall gibt es eine Sonderregel: Für eure Ehe gilt das Recht des Landes, in dem ihr sie eintragen lasst, also deutsches Recht. Ihr könnt hier heiraten, auch wenn das Herkunftsland die Ehe nicht anerkennt.

Bedenkt aber: In Ländern ohne Ehe für alle gilt eure Ehe unter Umständen nicht, mit Folgen für Aufenthalt, Erbe und Krankenhausbesuche. Innerhalb der EU müssen Mitgliedstaaten eine in einem anderen EU-Land geschlossene Ehe zumindest für das Aufenthaltsrecht anerkennen. Wenn ihr auswandern oder länger im Ausland leben wollt, lasst euch vorher beraten.

Welchen Namen tragt ihr?

Ihr könnt beide eure Namen behalten oder einen gemeinsamen Ehenamen wählen. Seit Mai 2025 geht außerdem ein echter Doppelname für beide, mit oder ohne Bindestrich, den auch eure Kinder tragen können.

Was sich mit der Ehe ändert

Rechtlich seid ihr verschiedengeschlechtlichen Ehepaaren gleichgestellt:

  • Ehegattensplitting bei der Steuer
  • gesetzliches Erbrecht und hohe Freibeträge bei der Erbschaftsteuer
  • Witwen- und Witwerrente
  • Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse
  • Zeugnisverweigerungsrecht vor Gericht
  • Unterhaltspflichten füreinander, auch nach einer Trennung

Seit 2023 dürft ihr euch außerdem in einem medizinischen Notfall gegenseitig vertreten, wenn eine*r nicht mehr selbst entscheiden kann. Das gilt für höchstens sechs Monate und nur für Gesundheitsfragen. Eine Vorsorgevollmacht ersetzt es nicht.

Kinder: Hier hakt es noch

Gemeinsam adoptieren dürfen verheiratete gleichgeschlechtliche Paare seit 2017 ohne Einschränkung. Auch als Pflegeeltern sind queere Paare bei den Jugendämtern gefragt.

Anders sieht es aus, wenn zwei Frauen zusammen ein Kind bekommen. Bringt in einer Ehe von Mann und Frau die Frau ein Kind zur Welt, ist der Ehemann automatisch rechtlicher Vater, egal von wem das Kind stammt. Bei zwei Müttern gilt das nicht. Rechtliche Mutter ist nur die, die das Kind geboren hat. Ihre Ehefrau muss das gemeinsame Kind adoptieren, in einem Verfahren der Stiefkindadoption.

Das bedeutet: Antrag über ein Notariat, Besuche und Stellungnahme des Jugendamts, Auskünfte zu Gesundheit und Einkommen, ein Termin beim Familiengericht. Es dauert oft viele Monate, manchmal länger als ein Jahr. In dieser Zeit hat das Kind rechtlich nur einen Elternteil. Passiert der Geburtsmutter etwas, ist das Kind nicht abgesichert.

Eine Reform des Abstammungsrechts wird seit Jahren angekündigt. Die Bundesjustizministerin hat sich 2026 wieder dafür ausgesprochen, dass Kinder zweier Mütter von Geburt an zwei Eltern haben. Ein Gesetz gab es bis zum Erscheinen dieses Beitrags nicht, und beim Bundesverfassungsgericht liegen mehrere Verfahren dazu. Ähnliche Lücken gibt es für trans und nicht-binäre Eltern, die in den Urkunden ihrer Kinder oft mit einem Eintrag stehen, der nicht zu ihnen passt.

Unser Rat: Plant das Adoptionsverfahren schon in der Schwangerschaft, sprecht früh mit dem Jugendamt und holt euch Unterstützung bei Leuten, die es hinter sich haben. Regenbogenfamilienzentren und Gruppen findet ihr unter Regenbogenfamilien.

Für zwei Väter führt der Weg zum Kind in Deutschland über Adoption, Pflegschaft oder Co-Elternschaft mit einer Mutter oder einem Mütterpaar. Leihmutterschaft ist hier verboten.

Kirchlich heiraten

Die meisten evangelischen Landeskirchen trauen gleichgeschlechtliche Paare inzwischen wie alle anderen oder bieten eine gleichwertige Feier an. In der katholischen Kirche gibt es keine Trauung, in vielen Gemeinden aber Segensfeiern. Auch in liberalen jüdischen Gemeinden und bei freien Redner*innen seid ihr willkommen. Queere Gemeinden und Gruppen findet ihr unter Glaube und Religion.

Wenn ihr nicht heiraten wollt

Die Ehe ist ein Angebot und keine Pflicht. Viele Queers leben in Beziehungen und Wahlfamilien, für die das Eherecht nicht gemacht ist. Ohne Trauschein seid ihr füreinander rechtlich Fremde. Ihr erbt nichts voneinander, und im Krankenhaus bekommt ihr im Zweifel keine Auskunft. Drei Dokumente lösen das meiste davon:

  • Vorsorgevollmacht: wer für dich entscheiden darf, wenn du es nicht kannst
  • Patientenverfügung: welche Behandlung du willst und welche nicht
  • Testament: wer was bekommt. Ohne Ehe gelten niedrige Freibeträge bei der Erbschaftsteuer.

Mehr dazu im Beitrag Queer im Alter. Das Thema betrifft nicht erst Menschen ab 70.

Beratung

Der LSVD⁺ hat ausführliche Ratgeber zu Ehe, Adoption, binationalen Paaren und Regenbogenfamilien und vermittelt an Fachanwält*innen. Angebote vor Ort findet ihr bei Queer Guide unter Regenbogenfamilien und Beratungsstellen.

Wenn es in der Beziehung nicht mehr sicher ist

Gewalt in Beziehungen gibt es auch bei queeren Paaren, und sie wird seltener erkannt. Wenn du Angst vor deiner Partnerin oder deinem Partner hast, kontrolliert wirst oder mit einem Zwangsouting bedroht wirst, ist das nicht normal und nicht deine Schuld.

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