Zum Hauptinhalt springen
Hintergrund

Warum CSD? Die Geschichte des Christopher Street Day

Der Name erinnert an eine Straße in New York und eine Nacht im Juni 1969, in der Bar- und Straßengäste sich gegen eine Polizeirazzia wehrten. Trans Frauen wie Marsha P. Johnson und Sylvia Rivera spielten dabei eine zentrale Rolle.

Von Queer-Guide-Redaktion3 Min. Lesezeit

Die Fassade des Stonewall Inn in der Christopher Street in New York, mit Regenbogenfahnen an den Balkonen
Bild: Johannes Jordan (Wikimedia Commons), CC BY-SA 3.0

Jedes Jahr ziehen bei CSDs bunte Umzüge durch deutsche Städte, mit Musik, Flaggen und politischen Forderungen. Der Name „Christopher Street Day“ erinnert an eine Straße in New York und an eine Nacht im Juni 1969, aus der eine weltweite Bewegung wurde.

Die Razzia in der Christopher Street

In der Nacht zum 28. Juni 1969 durchsuchte die Polizei das Stonewall Inn, eine Bar für schwule, lesbische und trans Menschen in der Christopher Street im New Yorker Stadtteil Greenwich Village. Razzien dieser Art waren zu dieser Zeit üblich: Gleichgeschlechtliche Beziehungen und das Tragen von Kleidung, die nicht dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht entsprach, wurden in New York verfolgt.

Der Aufstand

Anders als bei früheren Razzien leisteten die Gäste und Menschen aus der Nachbarschaft diesmal Widerstand. Es kam zu mehreren Nächten mit Protesten rund um die Christopher Street. Der Stonewall-Aufstand gilt heute als einer der wichtigsten Ausgangspunkte der modernen queeren Bewegung in den USA, auch wenn es schon vorher Widerstand gab, etwa 1966 beim Aufstand am Compton's Cafeteria in San Francisco.

Trans Frauen an vorderster Front

Unter den Menschen, die in dieser Nacht und in den Jahren danach die Bewegung prägten, waren trans Frauen of Color besonders wichtig, allen voran Marsha P. Johnson und Sylvia Rivera. Wer in der ersten Nacht was genau tat, lässt sich historisch nicht mehr im Detail belegen, an der zentralen Rolle trans Frauen beim Stonewall-Aufstand besteht aber kein Zweifel. Johnson und Rivera waren schon vorher in der New Yorker Szene aktiv und gründeten 1970 gemeinsam STAR (Street Transvestite Action Revolutionaries), eine der ersten Organisationen, die sich gezielt für obdachlose queere und trans Jugendliche einsetzte, mit einer eigenen Unterkunft in New York.

Ein Jahr später: der erste Gedenkmarsch

Am 28. Juni 1970, genau ein Jahr nach der Razzia, fand in New York der „Christopher Street Liberation Day“ statt, ein Gedenkmarsch, der als einer der ersten Pride-Märsche überhaupt gilt. Im selben Jahr gab es bereits ähnliche Märsche in Los Angeles und Chicago, in den Folgejahren kamen weitere Städte dazu.

Der CSD kommt nach Deutschland

1979, zum zehnten Jahrestag von Stonewall, fanden die ersten Christopher-Street-Day-Demonstrationen in Westdeutschland statt, zeitgleich in Bremen und West-Berlin. Der Name wurde bewusst übernommen, um an den Ursprung in New York zu erinnern. Seitdem hat sich der CSD in Deutschland zu einer festen Größe entwickelt: gleichzeitig Demonstration für Gleichstellung und Fest queerer Sichtbarkeit.

Feiern und Protest zugleich

Auch heute ist der CSD beides: ein Straßenfest und eine politische Demonstration. Viele Veranstalter erinnern ausdrücklich an Marsha P. Johnson, Sylvia Rivera und die trans Geschichte des Aufstands, unter anderem mit der Progress-Pride-Flagge, die die Farben der Transgender-Flagge ausdrücklich einschließt. Alle kommenden CSD-Termine in Deutschland findest du in der Terminübersicht.

Flaggen zum Thema

Weitere Beiträge