Zum Hauptinhalt springen
Queer Guide

„Schnell verlassen“ oben öffnet sofort eine neutrale Seite, falls jemand mitliest. Der Zurück-Knopf führt dann nicht hierher zurück.

Hintergrund

Von San Francisco bis heute: Die Geschichte der Regenbogenflagge

1978 färbten Gilbert Baker und rund 30 Freiwillige in San Francisco Stoffbahnen in Mülltonnen. Wie aus acht Streifen sechs wurden, was die Progress-Flagge ändert und warum um die Flagge bis heute gestritten wird.

Von Queer Guide Redaktion5 Min. Lesezeit

Regenbogenflagge weht im Wind vor blauem Himmel mit Wolken
Bild: Benson Kua aus Toronto, Canada (Wikimedia Commons), CC BY-SA 2.0

Sie hängt an Rathäusern, klebt an Kneipentüren und wird bei jedem CSD über die Straße getragen. Kaum ein Symbol erkennt man so schnell wie die Regenbogenflagge. Dabei ist sie jünger, als viele denken, und sie sah am Anfang anders aus als heute.

Vorher: ein Symbol aus dem KZ

Bis in die 1970er Jahre war das bekannteste Zeichen der Schwulenbewegung der rosa Winkel. Mit ihm hatten die Nationalsozialisten homosexuelle Männer in den Konzentrationslagern gekennzeichnet. Aktivist*innen trugen ihn später bewusst als Zeichen des Erinnerns und des Widerstands. Viele wünschten sich aber ein Symbol, das nicht von den Tätern stammt, sondern aus der Community selbst kommt und nach vorn zeigt.

1978: acht Streifen aus der Mülltonne

Der Künstler und Aktivist Gilbert Baker lebte in San Francisco, konnte nähen und war mit Harvey Milk befreundet, einem der ersten offen schwulen Politiker der USA. Milk drängte ihn, ein Zeichen für die Bewegung zu entwerfen. Baker dachte an eine Flagge, weil eine Flagge sagt: Wir sind da, und wir sind viele.

Zusammen mit rund 30 Freiwilligen, darunter Lynn Segerblom und James McNamara, färbte und nähte er die ersten beiden Flaggen im Gay Community Center in der Grove Street. Gefärbt wurde von Hand in großen Tonnen. Am 25. Juni 1978 wehten sie bei der Gay Freedom Day Parade über dem United Nations Plaza.

Diese erste Fassung hatte acht Streifen, und Baker gab jedem eine Bedeutung:

  • Pink für Sexualität
  • Rot für das Leben
  • Orange für Heilung
  • Gelb für das Sonnenlicht
  • Grün für die Natur
  • Türkis für Kunst und Magie
  • Indigo für Gelassenheit
  • Violett für den Geist

Mehr zu Farben und Varianten findest du auf der Seite zur Regenbogenflagge.

Aus acht werden sechs

Dass heute sechs Streifen üblich sind, hat keinen tieferen Grund, sondern ganz praktische. Am 27. November 1978 wurde Harvey Milk ermordet. Die Nachfrage nach der Flagge schoss in die Höhe, und ein Flaggenhersteller aus San Francisco begann, sie in Serie zu verkaufen. Pinkfarbenen Stoff gab es aber nicht in großen Mengen, also fiel der erste Streifen weg.

1979 sollte die Flagge für die Parade in zwei Hälften geteilt an den Laternen links und rechts der Market Street hängen. Mit sieben Streifen ging das nicht auf. Türkis und Indigo wurden zu einem Königsblau zusammengelegt, und so entstand die Fassung in Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett, die heute auf der ganzen Welt zu sehen ist.

Die beiden Flaggen von 1978 galten jahrzehntelang als verloren. Erst vor wenigen Jahren tauchte ein Stück von einer der beiden in Bakers Nachlass wieder auf, es liegt heute im Museum der GLBT Historical Society in San Francisco.

Eine Flagge, die niemandem gehört

Baker hat sich die Flagge nie schützen lassen. Er wollte, dass sie allen gehört, und genau deshalb konnte sie sich so schnell verbreiten. 1994 nähte er zum 25. Jahrestag von Stonewall eine Flagge von rund einer Meile Länge, die Tausende Menschen durch New York trugen. 2015 nahm das Museum of Modern Art die Regenbogenflagge in seine Designsammlung auf. Baker starb 2017.

2017 und 2018: Die Flagge bekommt Zuwachs

2017 stellte die Stadt Philadelphia eine Fassung mit zwei zusätzlichen Streifen in Schwarz und Braun vor. Auslöser waren Berichte über Rassismus in Bars der dortigen Szene. Die Philadelphia-Pride-Flagge sollte zeigen: Schwarze Queers und queere People of Color gehören sichtbar dazu. Das gefiel nicht allen, manche fanden, der Regenbogen meine doch längst alle. Die Diskussion darüber, wer in der Community tatsächlich gesehen wird, war aber überfällig.

2018 legte Daniel Quasar die Progress-Pride-Flagge nach. Ein Keil am linken Rand nimmt Schwarz und Braun auf und ergänzt Hellblau, Rosa und Weiß, die Farben der Trans-Flagge. Der Keil zeigt nach rechts: Es geht voran, aber es ist noch Strecke übrig. 2021 fügte Valentino Vecchietti von Intersex Equality Rights UK ein gelbes Dreieck mit violettem Kreis hinzu, das Zeichen der Inter*-Flagge. So entstand die Intersex-inklusive Progress-Flagge, die du inzwischen bei vielen CSDs siehst.

Warum bis heute um die Flagge gestritten wird

Dass ein Stück Stoff politisch ist, merkt man in Deutschland gerade wieder. 2022 wehte die Regenbogenflagge zum Berliner CSD zum ersten Mal auf dem Reichstagsgebäude. 2025 entschied die Bundestagspräsidentin, sie dort nur noch am 17. Mai zu hissen, dem Tag gegen Queerfeindlichkeit, und zum CSD nicht mehr. In mehreren Städten und Gemeinden gab es ähnliche Debatten um Flaggen an Rathäusern und Schulen.

Für viele Queers ist die Flagge deshalb mehr als Deko. Wo sie hängt, heißt das: Hier bist du willkommen. Wo sie abgehängt wird, kommt die gegenteilige Botschaft an, auch wenn sie so nicht gemeint sein mag.

Welche Flagge ist jetzt die richtige?

Die, die du magst. Der Regenbogen mit sechs Streifen bleibt das gemeinsame Zeichen, die Progress-Flagge betont, wer lange übersehen wurde. Dazu kommen Flaggen für einzelne Identitäten, von bi über trans bis asexuell. Keine davon ersetzt die andere. Im Flaggen-Lexikon findest du sie alle, und wir schreiben auch dazu, wenn die Herkunft einer Flagge nicht sauber belegt ist.

Wenn du die Flaggen lieber in echt sehen willst: Die nächsten CSD-Termine stehen in unserer Übersicht. Und warum der CSD überhaupt so heißt, erzählen wir im Beitrag zur Geschichte des Christopher Street Day.

Passende Beiträge

  • Die Fassade des Stonewall Inn in der Christopher Street in New York, mit Regenbogenfahnen an den Balkonen
    Hintergrund

    Warum CSD? Die Geschichte des Christopher Street Day

    Eine Bar in New York, eine Razzia im Juni 1969 und Gäste, die sich zum ersten Mal nicht abführen lassen. Wie daraus der CSD wurde, wie er nach Deutschland kam und warum er bis heute eine Demo ist.

    5 Min. Lesezeit

  • Hintergrund

    Autismus, ADHS und Queer-Sein: eine häufige Überschneidung

    Auffällig viele autistische Menschen und Menschen mit ADHS sind queer oder trans. Was die Forschung dazu weiß, welche doppelten Hürden es gibt und wie queere Räume für alle angenehmer werden.

    5 Min. Lesezeit

  • Hintergrund

    Warum KI-generierte Bilder in der queeren Community ein Problem sind

    Makellose Paare, sechs Finger, Regenbogen in Neon: KI-Bilder mit queeren Motiven sind überall. Warum das viele in der Community stört, wie du sie erkennst und was Vereine besser machen können.

    5 Min. Lesezeit