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Queer Guide

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Hintergrund

Warum KI-generierte Bilder in der queeren Community ein Problem sind

Makellose Paare, sechs Finger, Regenbogen in Neon: KI-Bilder mit queeren Motiven sind überall. Warum das viele in der Community stört, wie du sie erkennst und was Vereine besser machen können.

Von Queer Guide Redaktion5 Min. Lesezeit

Du scrollst durch deinen Feed und siehst ein Plakat für eine Pride-Party. Zwei Männer, makellose Haut, perfektes Licht, und im Hintergrund eine Flagge mit neun Streifen in Farben, die es so nicht gibt. Ein paar Posts weiter ein „historisches Foto“ von einem CSD, den es nie gegeben hat.

Bilder, Musik und Videos aus KI-Generatoren sind in kurzer Zeit überall aufgetaucht, auch in unserer Community. Viele stört das, und nicht nur, weil es oft schlecht aussieht.

Gelernt an fremder Arbeit

Bildgeneratoren wurden mit Milliarden von Bildern aus dem Netz trainiert. Darunter sind die Zeichnungen, Fotos und Comics unzähliger queerer Künstler*innen, die nie gefragt wurden und nichts dafür bekommen haben. Wer ein „queeres Paar im Stil von“ erzeugen lässt, bedient sich an genau dieser Arbeit.

Ob das rechtlich in Ordnung ist, klären gerade Gerichte in vielen Ländern. In Deutschland hat das Landgericht München im November 2025 der GEMA in einem Verfahren um Liedtexte gegen den Anbieter von ChatGPT weitgehend recht gegeben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weitere Verfahren laufen. Unabhängig vom Ausgang bleibt die Frage, ob man es richtig findet.

Aufträge, die wegfallen

Queere Illustrator*innen, Fotograf*innen und Musiker*innen leben selten von großen Kunden. Sie leben von vielen kleinen Aufträgen: dem Plakat für den CSD, dem Logo für die Jugendgruppe, dem Cover für ein Zine, den Fotos vom Straßenfest. Genau diese Aufträge sind es, die jetzt durch ein paar Klicks ersetzt werden.

Das trifft Menschen, die ohnehin wenig verdienen und oft in der Szene angefangen haben, weil sie woanders keine Aufträge bekamen. Wenn ausgerechnet queere Vereine sie nicht mehr buchen, fehlt ihnen das Stück Community, das sie getragen hat.

Immer dieselben Gesichter

Ein Generator gibt aus, was in seinen Trainingsdaten am häufigsten vorkommt. Für „lesbisches Paar“ sind das zwei schlanke, junge, weiße Frauen mit langen Haaren. Für „schwuler Mann“ ein durchtrainierter Typ mit Dreitagebart. Trans Menschen kommen als Klischee vor oder gar nicht.

Wer dicke, alte, behinderte, Schwarze oder schlicht normal aussehende Queers sehen will, muss das ausdrücklich verlangen und bekommt oft trotzdem Karikaturen. Dabei hat die Community Jahrzehnte dafür gekämpft, in ihrer ganzen Breite gezeigt zu werden. KI-Bilder schieben uns zurück in die Werbeästhetik.

Auch bei Symbolen geht es schief. Flaggen mit falschen Farben und erfundenen Streifen sind fast schon ein Erkennungszeichen. Wie die echten aussehen, steht im Flaggen-Lexikon.

Regenbogen aus der Maschine

Jedes Jahr im Juni färben Firmen ihre Logos bunt. Dafür gibt es ein Wort: Pinkwashing. Kommt die Pride-Grafik dann auch noch aus dem Generator, hat das Unternehmen nicht einmal mehr eine queere Person dafür bezahlt. Unterstützung, die nichts kostet und niemanden einbezieht, ist Dekoration.

Echt aussehen, gelogen sein

Das ernsteste Problem sind Bilder, die mit Absicht täuschen. Erfundene Fotos von CSDs werden genutzt, um Stimmung gegen die Community zu machen. Gefälschte Bilder und Videos von realen Personen, sogenannte Deepfakes, treffen besonders häufig Frauen und trans Menschen. Und je mehr künstliche Bilder im Umlauf sind, desto leichter lässt sich umgekehrt ein echtes Foto als „Fake“ abtun.

Wenn von dir ein gefälschtes Bild im Netz auftaucht, bist du nicht hilflos. HateAid berät kostenlos, hilft beim Löschen und unterstützt bei rechtlichen Schritten.

Woran du KI-Bilder erkennst

Die Generatoren werden besser, hundertprozentig sicher ist man nie. Diese Hinweise helfen trotzdem oft:

  • Hände und Zähne: zu viele Finger, verschmolzene Hände, ein durchgehender Zahnstreifen.
  • Schrift: Schilder und Banner im Hintergrund zeigen Buchstabensalat.
  • Flaggen und Symbole: falsche Farben, falsche Reihenfolge, zu viele Streifen.
  • Haut wie aus Wachs, alles gleich scharf, Licht wie im Werbespot.
  • Hintergrund: Menschen, die ineinander übergehen, Gebäude, die es dort nicht gibt.
  • Quelle: Wer hat das Bild zuerst gepostet? Eine Rückwärtssuche zeigt oft, ob es ein Original gibt.

Wenn du unsicher bist, teil es nicht weiter.

Ist KI also immer schlecht?

Nein, und so einfach macht es sich auch in der Community kaum jemand. Automatische Übersetzungen machen Infos für Geflüchtete zugänglich. Bildbeschreibungen helfen blinden Menschen. Untertitel entstehen in Sekunden. Kleine Vereine ohne Geld sparen bei Protokollen und Formularen Zeit, die sie für Menschen brauchen.

Der Unterschied liegt darin, was ersetzt wird. Ein Werkzeug, das lästige Arbeit abnimmt, ist etwas anderes als eines, das kreative Arbeit von Menschen verdrängt und dabei so tut, als wäre es deren Werk.

Was Vereine und Veranstalter*innen tun können

  • Fragt in der eigenen Community. Fast jeder Verein hat jemanden, der zeichnet oder fotografiert und sich über die Anfrage freut.
  • Schreibt kleine Aufträge aus, auch für 100 oder 200 Euro. Für viele Künstler*innen zählt, dass überhaupt gefragt wird.
  • Nutzt, was frei verfügbar ist: echte Fotos vom letzten Jahr, freie Bilder aus Archiven, einfache Typografie. Ein gutes Plakat braucht kein Bild.
  • Ladet junge Leute ein, etwas zu gestalten, zum Beispiel mit einem Plakatwettbewerb in der Jugendgruppe.
  • Wenn ihr doch KI nutzt: Schreibt es dazu. Ehrlichkeit kostet nichts.

Was du tun kannst

  • Folge queeren Künstler*innen, teile ihre Arbeit und nenne ihre Namen.
  • Kauf direkt bei ihnen: einen Druck, ein Zine, einen Sticker. Das kommt ganz anders an als ein Like.
  • Frag freundlich nach, wenn dir bei einem Verein oder einer Firma KI-Material auffällt. Oft hat schlicht niemand darüber nachgedacht.
  • Gib keine KI-Bilder als echte Fotos oder als Kunst von Menschen weiter.

Queere Kultur ist immer von Menschen gemacht worden, oft mit wenig Geld und viel Herz, vom handgemalten Demoschild bis zur ersten Regenbogenflagge, die 1978 in einer Tonne gefärbt wurde. Wie das war, steht in der Geschichte der Regenbogenflagge. Kulturangebote in deiner Nähe findest du unter Kultur und Bildung.

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