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Wie du dich für queere Rechte engagieren kannst

Du musst nicht jede Woche demonstrieren, um etwas zu bewegen. Ideen für fünf Minuten, für einen Abend im Monat und für alle, die richtig einsteigen wollen. Auch für Allies.

Von Queer Guide Redaktion5 Min. Lesezeit

Viele würden gern etwas tun und wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Oder sie denken, Engagement heißt, jedes Wochenende auf einer Demo zu stehen und nebenbei einen Verein zu leiten. Die gute Nachricht: Die meisten sinnvollen Dinge sind viel kleiner. Und die allermeisten queeren Vereine freuen sich über jede Person, die fragt, ob sie helfen kann.

Such dir aus, was zu deiner Zeit, deiner Energie und deinem Charakter passt.

Fünf Minuten

  • Widersprich, wenn jemand einen blöden Spruch macht. Ein ruhiges „Find ich nicht witzig“ reicht und wirkt mehr, als du denkst.
  • Werde Fördermitglied in einem queeren Verein. Ein paar Euro im Monat sind für kleine Vereine planbares Geld, das mehr hilft als eine einmalige große Spende. Mitgliedsbeiträge und Spenden an gemeinnützige Vereine kannst du von der Steuer absetzen.
  • Unterschreib Petitionen und nimm an Befragungen teil, etwa wenn Verbände Erfahrungen mit Diskriminierung sammeln.
  • Teile Termine und Hilfsangebote. Der Hinweis auf eine Jugendgruppe erreicht vielleicht genau die eine Person, die ihn braucht.
  • Melde uns, was fehlt. Wenn du eine Gruppe, eine Beratung oder einen Treff kennst, der bei Queer Guide noch nicht steht, kannst du ihn über Eintrag vorschlagen in zwei Minuten eintragen.
  • Melde queerfeindliche Vorfälle einer Meldestelle, auch wenn du nur Zeug*in warst.

Ein Abend im Monat

  • Geh zu Treffen deines lokalen Vereins. Schon dass du da bist, hilft, denn Gruppen leben davon, dass Leute kommen.
  • Hilf bei einzelnen Veranstaltungen: Stand betreuen, Kuchen backen, Flyer verteilen, Ordner*in beim CSD sein.
  • Bring ein, was du beruflich kannst. Vereine suchen ständig Leute für Website, Buchhaltung, Social Media, Grafik, Fotos, Übersetzungen oder Rechtsfragen.
  • Schreib deinen Abgeordneten. Eine persönliche Mail aus dem eigenen Wahlkreis wird gelesen, vor allem vor Abstimmungen. Kurz, höflich, konkret.
  • Geh zur Sitzung deines Stadt- oder Gemeinderats, wenn über Geld für queere Projekte oder über die Regenbogenflagge am Rathaus entschieden wird. Volle Zuschauerreihen machen Eindruck.

Regelmäßig dabei sein

Wenn du merkst, dass dir das liegt, gibt es Aufgaben, bei denen du wirklich gebraucht wirst:

  • Jugendgruppen leiten oder begleiten. Viele Gruppen suchen Teamer*innen, meist gibt es dafür eine Schulung.
  • Schulaufklärung: Ehrenamtliche gehen in Schulklassen und beantworten Fragen zu queerem Leben. Solche Projekte gibt es in den meisten Bundesländern, und du wirst gründlich vorbereitet.
  • Beratung am Telefon oder im Chat, nach einer Ausbildung, die der Träger organisiert.
  • CSD-Orga. Die Planung beginnt im Herbst, und fast jedes Team ist zu klein.
  • Besuchsdienste für ältere Queers oder Begleitung von queeren Geflüchteten zu Ämtern.
  • Vorstandsarbeit. Klingt trocken, ist aber das, woran die meisten Vereine scheitern, wenn niemand es macht.

Organisationen in deiner Nähe findest du über die Angebote und unter Vereine und Organisationen. Schreib einfach hin: „Ich würde gern helfen, was braucht ihr?“ Mehr Bewerbung ist nicht nötig.

Wenn du nicht selbst queer bist

Allies werden gebraucht, gerade dort, wo keine queere Person im Raum ist: am Stammtisch, im Betriebsrat, im Elternbeirat, in der Kirchengemeinde. Ein paar Dinge, die gute Allies ausmachen:

  • Zuhören und glauben, was Betroffene erzählen.
  • Den Mund aufmachen, wenn es unbequem ist, und nicht nur im Juni.
  • Queere Menschen sprechen lassen, statt für sie zu sprechen.
  • Fehler machen, sich korrigieren lassen und weitermachen.
  • Mitkommen: zum CSD, zur Mahnwache, zur Ratssitzung.

Eltern, Geschwister und Freund*innen queerer Menschen sind oft die überzeugendsten Stimmen überhaupt, weil sie Leute erreichen, die sonst nicht zuhören würden.

Am Arbeitsplatz und in der Schule

Viele größere Unternehmen und Behörden haben queere Netzwerke für Beschäftigte. Wenn es bei euch keins gibt, kannst du eins anregen, gemeinsam mit dem Betriebs- oder Personalrat. Auch Gewerkschaften haben eigene queere Gruppen. In Schulen und Hochschulen gibt es oft queere AGs oder Referate, die Mitstreiter*innen suchen. Kleine Dinge zählen auch hier: Formulare ohne Zwang zu „Herr“ oder „Frau“, eine Toilette für alle, ein Ansprechmensch für Beschwerden.

Politisch werden

Wer Gesetze ändern will, kommt an Parteien und Parlamenten nicht vorbei. Fast alle demokratischen Parteien haben queere Arbeitsgruppen, die sich über neue Leute freuen. Du kannst dort mitarbeiten, ohne gleich für etwas zu kandidieren. Verbände wie der LSVD⁺ und der Bundesverband Trans* erklären, welche Vorhaben gerade anstehen, und sagen, wann Briefe und Anrufe besonders viel bringen.

Und das Einfachste zum Schluss: Geh wählen, bei jeder Wahl. Über das Geld für die Beratungsstelle in deiner Stadt entscheidet der Stadtrat und nicht der Bundestag. Warum das gerade wichtig ist, steht im Beitrag zur politischen Lage.

Sichtbar sein, soweit es für dich passt

Ein Regenbogen-Aufkleber an der Praxistür, ein Pin am Rucksack, ein Foto mit deiner Partnerin auf dem Schreibtisch: Solche Kleinigkeiten zeigen anderen, dass sie nicht allein sind. Das gilt besonders auf dem Land. Du entscheidest dabei selbst, wie viel du zeigen willst und wo du dich sicher fühlst. Niemand muss sich in Gefahr bringen, um solidarisch zu sein. Mehr zu den Symbolen findest du im Flaggen-Lexikon.

Pass auf dich auf

In kleinen Vereinen landen schnell zu viele Aufgaben bei zu wenigen Leuten. Wer sich für die eigene Community einsetzt, kann außerdem schlecht abschalten, weil es immer auch um einen selbst geht. Deshalb:

  • Sag lieber eine kleine Sache zu und halte sie, als eine große, die du nach drei Monaten hinwirfst.
  • Nein sagen ist erlaubt, auch zu guten Zwecken.
  • Mach Pausen, bevor du sie brauchst.
  • Feier Erfolge, auch die kleinen. Ein gelungener Kneipenabend ist ein Erfolg.

Niemand kann alles machen. Aber wenn viele ein bisschen machen, kommt erstaunlich viel zusammen.

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