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Queer Guide

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Ratgeber

Safer Sex für queere Menschen: Schutz, Tests und Beratung

Kondom, PrEP, Schutz durch Therapie, Impfungen und Tests: was heute wirklich schützt, was du nach einem Risiko tun kannst und wo du dich kostenlos und ohne blöde Fragen testen lässt.

Von Queer Guide Redaktion6 Min. Lesezeit

Der Sexualkundeunterricht hat die meisten von uns ziemlich im Stich gelassen. Kondom über die Banane, fertig. Was das für Sex zwischen zwei Frauen heißt, für trans Körper oder für schwulen Sex jenseits der Achtziger-Jahre-Warnungen, kam nicht vor.

Dabei war Safer Sex nie so einfach wie heute. Es gibt mehrere Wege, die gut schützen, und du kannst dir den aussuchen, der zu deinem Leben passt. Hier kommt der Überblick.

HIV: drei Wege, die schützen

Kondome schützen zuverlässig vor HIV und senken das Risiko für viele andere Infektionen. Mit dem passenden Gleitgel (bei Latex kein Öl) reißen sie seltener. Für Vaginal- und Analsex gibt es außerdem Kondome zum Einführen, auch Femidom genannt.

Die PrEP ist ein Medikament, das HIV-negative Menschen vor einer Ansteckung schützt. Es ist bei richtiger Einnahme so sicher wie Kondome. Seit 2019 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die PrEP für Menschen ab 16 Jahren mit erhöhtem HIV-Risiko, einschließlich der Kontrolluntersuchungen alle drei Monate. Verschreiben dürfen sie HIV-Schwerpunktpraxen und speziell fortgebildete Ärzt*innen. Man kann sie täglich nehmen oder, je nach Körper und Art von Sex, nur rund um den Anlass. Welches Schema für dich sicher ist, besprichst du in der Praxis oder im Checkpoint, denn nicht jedes funktioniert für jeden Körper gleich gut.

Schutz durch Therapie ist der dritte Weg und der, den immer noch zu wenige kennen: Menschen mit HIV, deren Therapie wirkt, können das Virus beim Sex nicht weitergeben. Nicht „kaum“, sondern gar nicht. Das ist seit Jahren wissenschaftlich gesichert. HIV-positiv und in Behandlung zu sein bedeutet heute eine normale Lebenserwartung und Sex ohne Angst, jemanden anzustecken.

Eine PrEP-Spritze, die nur zweimal im Jahr gegeben wird, ist in der EU seit 2025 zugelassen. In Deutschland ist sie nach unserem Stand bisher nicht erhältlich, weil es keine Einigung über den Preis gibt. Bis dahin bleiben die Tabletten.

Nach einem Risiko: die PEP

Kondom gerissen, PrEP vergessen, oder du bist dir nicht sicher, was passiert ist: Dann gibt es die PEP, eine vierwöchige Behandlung, die eine HIV-Infektion noch verhindern kann. Sie muss so schnell wie möglich beginnen, am besten innerhalb von zwei Stunden, möglichst innerhalb von 24 und spätestens nach 48 Stunden.

Warte also nicht bis Montag. Geh in die Notaufnahme eines größeren Krankenhauses, am besten einer Klinik mit HIV-Ambulanz. Welche das in deiner Nähe sind, findest du über die Deutsche Aidshilfe.

Alles außer HIV

Syphilis, Tripper und Chlamydien sind deutlich häufiger als HIV, und weder PrEP noch Therapie schützen davor. Sie werden auch beim Oralsex, über Finger und über geteiltes Spielzeug übertragen. Oft merkst du davon nichts, vor allem im Rachen und im Po. Deshalb sind Tests hier wichtiger als Symptome. Die gute Nachricht: Alle drei sind mit Antibiotika heilbar.

Kondome senken das Risiko, schließen es aber nicht aus. Das ist kein Grund zur Panik, sondern ein Grund, sich regelmäßig testen zu lassen.

Vielleicht hast du von Doxy-PEP gehört, einem Antibiotikum nach dem Sex, das Syphilis und Chlamydien vorbeugen soll. In Deutschland wird das bisher nicht allgemein empfohlen, sondern nur im Einzelfall und nach ärztlicher Beratung, unter anderem wegen der Sorge vor Resistenzen. Besorg es dir bitte nicht auf eigene Faust.

Impfungen, die sich lohnen

  • Hepatitis A und B: empfohlen unter anderem für Männer, die Sex mit Männern haben. Frag in der Praxis, ob die Kasse zahlt, meistens ja.
  • HPV: schützt vor Feigwarzen und mehreren Krebsarten. Standard bis 17 Jahre. Viele Kassen zahlen freiwillig auch später, und es lohnt sich in jedem Alter nachzufragen.
  • Mpox: Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung Männern sowie trans und nicht-binären Menschen, die Sex mit Männern haben und häufig wechselnde Partner, und Sexarbeiter*innen. Es sind zwei Impfungen im Abstand von mindestens vier Wochen.

Sex zwischen Frauen, mit Vulva, mit Toys

Das Risiko für HIV ist hier sehr gering, das für andere Infektionen nicht. HPV, Herpes, Chlamydien und bakterielle Vaginose werden auch bei Sex zwischen Frauen weitergegeben. Was hilft:

  • Toys nicht ungewaschen teilen oder für jede Person ein frisches Kondom drüberziehen.
  • Kurze, glatte Fingernägel, bei kleinen Verletzungen an den Händen Handschuhe.
  • Lecktücher sind eine Möglichkeit, wenn eine von euch gerade Herpes oder eine andere Infektion hat.
  • Zur Krebsvorsorge gehen, auch wenn du nie Sex mit Männern hattest. HPV fragt nicht nach der Orientierung.

Safer Sex und trans Körper

Die meisten Infos sind für cis Körper geschrieben. Ein paar Dinge, die oft fehlen:

  • Testosteron ist keine Verhütung. Auch ohne Periode kannst du schwanger werden. Östrogen ist genauso wenig eine.
  • Unter Testosteron wird die Schleimhaut vorn oft trockener und empfindlicher. Mehr Gleitgel hilft und senkt das Risiko für kleine Risse.
  • Nach einer Vaginoplastik oder Phalloplastik gelten eigene Regeln zu Schutz und Gleitmittel. Frag dein OP-Team, das ist keine peinliche Frage.
  • PrEP und Hormone vertragen sich. Die PrEP schwächt deine Hormontherapie nicht ab.
  • Vorsorge richtet sich nach den Organen, die du hast, nicht nach dem Eintrag im Ausweis.

Gute Infos speziell für trans und nicht-binäre Menschen hat die Deutsche Aidshilfe zusammen mit der Community erarbeitet. Frag im Checkpoint danach.

Wo du dich testen lassen kannst

  • Checkpoints und Aidshilfen: anonym, günstig oder kostenlos, mit Leuten, die queere Lebenswelten kennen. Du musst nichts erklären und wirst nicht schief angeschaut.
  • Gesundheitsämter: vielerorts kostenlose und anonyme Tests auf HIV, oft auch auf andere Infektionen.
  • Arztpraxen: Wenn du Symptome hast oder ein Risiko benennst, zahlt die Kasse.
  • Zu Hause: HIV-Selbsttests gibt es in Apotheken und Drogerien. Mit s.a.m health bieten die Aidshilfen außerdem Test-Sets für mehrere Infektionen an, die du per Post einschickst.

Gut zu wissen: Ein HIV-Labortest ist sechs Wochen nach dem Risiko sicher, ein Selbsttest oder Schnelltest erst nach zwölf Wochen. Wer öfter wechselnde Partner*innen hat, fährt mit einem Check alle drei bis sechs Monate gut.

Checkpoints und Beratungsstellen in deiner Nähe findest du bei der Deutschen Aidshilfe und bei Queer Guide unter Gesundheit und Beratungsstellen.

Darüber reden

Der unangenehmste Teil von Safer Sex ist oft das Gespräch. Ein paar Sätze, die funktionieren: „Ich nehme PrEP, und du?“ „Wann warst du zuletzt beim Test?“ „Ich mag es mit Kondom.“ Wer darauf genervt reagiert, hat dir etwas Wichtiges über sich verraten.

Wenn du ein positives Testergebnis hast, sag deinen letzten Partner*innen Bescheid, damit sie sich auch testen lassen können. Das geht in zwei Zeilen, und Checkpoints helfen dir, das anonym zu machen, wenn du es nicht selbst tun möchtest.

Sex, Party und Substanzen

Unter Alkohol und anderen Drogen trifft man andere Entscheidungen als nüchtern. Wenn Sex bei dir oft mit Substanzen zusammenhängt und du merkst, dass es dir nicht mehr guttut: Viele Aidshilfen und Checkpoints haben eigene, vertrauliche Beratung dazu, ohne erhobenen Zeigefinger.

Fragen stellen, anonym

  • Deutsche Aidshilfe: Telefon-, Online- und persönliche Beratung zu HIV, Geschlechtskrankheiten, PrEP und PEP
  • liebesleben.de: Infos und ein anonymer Safer-Sex-Check vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit
  • pro familia: Beratung zu Verhütung und sexueller Gesundheit für alle Geschlechter

Ein positives Ergebnis ist kein Urteil über dich. Infektionen passieren Menschen, die Sex haben, und fast alles lässt sich heute heilen oder sehr gut behandeln. Wenn dich eine Diagnose trotzdem umhaut, ist die TelefonSeelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 erreichbar.

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